STARKES WACHSTUM VON STAUDENKNÖTERICH WIRD PROBLEM FÜR HEIMISCHE PFLANZENWELT
Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) gilt als eine der problematischsten invasiven Pflanzen in Österreich: Er wächst bis zu einem Meter und mehr im Monat und bildet dichte, undurchdringliche Bestände. Er gedeiht auch unter widrigsten Bedingungen und bricht Beton oder Mauern auf. Hat er sich erst einmal etabliert, ist es nahezu unmöglich, ihn wieder loszuwerden.
Von der Zierpflanze zur Plage
Ursprünglich wurde der Japan-Staudenknöterich im 19. Jahrhundert als Zierpflanze für Gärten und Parkanlagen nach Europa eingeführt. Die Art wurde auch als Futterpflanze und zur Böschungsbefestigung ausgepflanzt.
Eine einzelne Pflanze kann sich durch Rhizomwachstum (Sprossachsen) rasant ausbreiten. Vielfach werden Rhizomteile mit dem Wasser transportiert, sodass ganze Flussläufe flussabwärts vom Staudenknöterich besiedelt werden. Der Schwerpunkt der Verbreitung in Österreich liegt daher an den Ufern von Fließgewässern, vor allem an gehölzfreien Uferabschnitten. Die Pflanze dringt hier in die natürliche Vegetation ein und verdrängt die heimischen Pflanzenarten. Problematisch ist darüber hinaus die häufig illegale Ablagerung von Gartenabfällen, in denen sich Rhizomteile befinden. Häufig ist der Staudenknöterich auch auf Brachflächen, an Straßenrändern, Böschungen und zunehmend auch auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen.
Weitere Knöterich-Arten
Es gibt eine weitere asiatische Knöterich-Art, die sich ganz ähnlich vermehrt und Reinbestände ausbildet, und zwar der Sachalin-Staudenknöterich (F. sachalinensis). Der Blattgrund ist herzförmig und die Blattstruktur weich und runzelig. Im Gegensatz dazu sind die Blätter des Japan-Staudenknöterichs breit eiförmig, mit einer aufgesetzten Spitze versehen und am Grund meist gestutzt. Darüber hinaus ist auch schon ein Bastard zwischen diesen beiden Knöterich-Arten entstanden (F. x bohemica). Es wird vermutet, dass diese Art noch konkurrenzkräftiger ist. Die zunehmende Ausbreitung beider Arten in Teilen Österreichs wird durch die vielen Neufunde in den vergangenen Jahren bestätigt.
Gegenmaßnahmen: Mähen und Aushungern
Gemeinsam ist allen Staudenknöterich-Arten, dass sie nur sehr schwer zu bekämpfen sind und es Jahre dauern kann, bis die Pflanze erschöpft ist und abstirbt. Um eine weitere großflächige Ausbreitung zu verhindern, kann Folgendes getan werden: Im Frühling (meist ab April) bis zum Absterben der Pflanze im Herbst mindestens einmal im Monat, besser sofort nach Erscheinen, jeden neuen Trieb direkt über dem Boden zurückschneiden oder mähen. Jedes kleinste Teilstück muss vernichtet werden. Pflanzenteile gehören unter keinen Umständen in den Kompost (Wiederaustrieb!). Befallsgefährdete Stellen wie Uferbereiche und Kompostplätze sollten regelmäßig auf neue Einzelpflanzen kontrolliert werden.
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ALLERGIEUNKRAUT RAGWEED BREITET SICH AUCH IN KÄRNTEN AUS
Die Allergiepflanze Ragweed (Ambrosia artemisiifolia), auch unter den Namen Ambrosia und Traubenkraut bekannt, breitet sich in Österreich rasch aus. Auf welche Weise sie das bewerkstelligt, ist Thema eines Forschungsprojekts der Universität für Bodenkultur, an dem sich auch die AGES beteiligt. Gefördert wird das dreijährige DafFNE-Projekt, das im November 2011 seinen Abschluss finden wird, vom Lebensministerium und acht Bundesländern, darunter auch von Kärnten. In diesem Projekt werden die biologischen Grundlagen der Ausbreitung insbesondere entlang des Straßen- und Gewässernetzes erforscht sowie die Ausbreitung auf landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Flächen untersucht. Darauf aufbauend sollen konkrete Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden.
Bereits wenige Pollen können allergische Reaktion auslösen
Die Ragweed-Pollen sind vier bis fünf mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars und führen bei empfindlichen Menschen zu heftigen allergischen Reaktionen wie Brennen, Jucken und Tränen der Augen, Reizungen der Atemwege bis hin zu teils erheblichen Atembeschwerden und allergischem Asthma. Darüber hinaus sind die Pollen hoch allergen, drei bis fünf Mal so stark wie Gräserpollen. Bereits geringe Pollenkonzentrationen von 5 bis 10 Pollen/m3 Luft reichen aus, um eine allergischen Reaktion auszulösen. Hinzu kommt, dass ein einzelnes Exemplar der Pflanze zwischen 3.000 und 60.000 Samen produzieren kann, die im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig bleiben können.
Pflanze kann sich gut an Umgebung anpassen
An sich konkurrenzschwach, verfügt die wärmebedürftige Pflanze über eine hervorragende Anpassungsfähigkeit: Man findet sie entlang von Mittel- und Randstreifen bei Autobahnen, an Autobahnbaustellen, Straßen- und Wegrändern, Böschungen, Schienenbegleitstreifen, Uferbegleitflächen, auf deponierter Abhuberde, neben Baustellen, noch nicht oder nicht ausreichend bepflanzten Neubauobjekten, Waldlichtungen sowie in Landwirtschaftsflächen (Sonnenblume, Soja, Kürbis, Mais, Stoppelfelder). Sie kommt auch in Gärten und Parks vor, in denen häufig Streufutter für Vögel verwendet wird sowie auf Bracheflächen, Schutthalden, Kompostplätzen, Rübenplätzen, Wohngebieten mit Vogelhäuschen (Vogelfutter). Effizient verbreitet wird die Unkrautart beispielsweise durch das Profil von Fahrzeugreifen, durch Erntemaschinen sowie Mähgeräte.
Situation in Kärnten
Bis auf wenige Ausnahmen kommt Ragweed in Kärnten nicht flächendeckend vor. Der Schwerpunkte der Verbreitung liegt südöstlich von Villach im Bereich der Autobahn A11 zwischen St. Niklas und dem Karawankentunnel. Weiters werden auch Teile des Autobahn-Abschnittes der A2 östlich von Klagenfurt bis Wolfsberg von Ragweed-Pflanzen besiedelt.
Die großen Bestände entlang der A11 sind von der Pollenproduktion her sehr bedeutend. Der erhöhte Ragweed-Pollenflug im Raum Villach hat hier seinen Ursprung. Gemeinsam mit der Autobahnverwaltung wird versucht, dieses Vorkommen durch angepasste Mähtermine unter Kontrolle zu halten. Ob diese Maßnahmen Erfolg bringen werden, können erst die Beobachtungen der kommenden Jahre zeigen.
Weitere stabile Populationen entwickeln sich entlang einiger Bundesstraßen im Klagenfurter Becken (z. B. Köttmannsdorfer Landesstraße bei Rotschitzen). In den Jahren 2010 und 2011 konnten im Bereich von landwirtschaftlichen Kulturflächen zwei besonders große Bestände mit tausenden von Ragweed -Exemplaren gefunden werden, eines davon lag östlich von Klagenfurt auf einer aufgeschütteten Brachfläche, das andere in der Nähe von Velden. Beide Bestände wurden bereits vor der Blüte abgeschlägelt.
In Kärnten wird der Ragweed-Pollenflug an den Standorten Klagenfurt und Villach gemessen. Die Pollenfalle Klagenfurt ist seit dem Jahr 1980 in Betrieb – in Villach wird seit dem Jahr 2008 der spätsommerliche Pollenflug gemessen. Belastungswerte mit über 30 Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft treten im Klagenfurt nur bei entsprechenden Windströmungen auf. So konnte durch Berechnung einer Rückwärtstrajektorie der Luftbewegung für den 20. August 2009 eindeutig nachgewiesen werden, dass der erhöhte Ragweed-Pollenflug an diesem Tag aus dem Raum Slowenien nach Kärnten eingeweht wurde.
Nähere Informationen:
www.pollenwarndienst.ktn.gv.at
http://ragweed.boku.ac.at
Quelle:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
www.
ages.at (Zugriff am 22.09.2011)
Pollenwarndienst Kärnten
Tel.: 050 536-15052
E-Mail:
abt5.umweltmedizin AT ktn.gv.at
E-Mail:
hzwander AT aon.at